25 nette Damenbekanntschaften in 3 Stunden

40° und WM Viertel-Finale Deutschland gegen Argentinien. Sind das nicht gute Voraussetzungen und eine gute Kombination um ausgedehnt und effizient shopen zu gehen?

Nachdem ich mich mit gefühlten 10 Hosen und 5 Hemden in Metzingen eingedeckt habe und das in – aus meiner Sicht – sehr respektablen 10 Minuten, sehe ich auf dem nach Hause Weg noch diesen Outdoor & Expeditionsausrüster, an dem “Mann” einfach nicht vorbei kommt. Es ist so ähnlich wie der Görtz oder Douglas bei Frauen. Es ist diese innere Stimme, die einen ruft und den Geldbeutel viel lockerer sitzen lässt. Es ist wie Dewalt Werkzeuge für Handwerker. Eine magische Anziehungskraft, die trotz aller, zugegebenermaßen moderaten Gegenwehr, mein vierrädriges Gefährt in einer scharfen Linkskurve auf den Parkplatz der Fa. Woick lenkt. Ich trete ein, schlendere wie ferngesteuert in Richtung Klettern und Bergsteigen und da liegen sie, auf einem Wühltisch, unscheinbar in Tarnfarben, für den Rest der Männerschaft, die ohnehin am Bierschleppen, sowie am Holzkohle und Grillgut beschaffen sind, unsichtbar. Es sind FiveFingers Sprint in taupe/putty/clay. Ein Traum der, wie ich im Laufe des Tages noch erfahren sollte, auch viele Frauenherzen höher schlagen lässt. 3 Schritte und ich bin am Tisch. 3, 2, 1,… meins. Wo habe ich das nur schon einmal gehört? Und dann sind es auch noch Schuhe in Größe 45. Einfach genial. Anprobieren schmunzeln, bezahlen lächeln, ab ins Auto, ein Grinsen bis über beide Ohren, das vermutlich nur noch operativ entfernt werden kann. Und nun auf zum Apple Shop ins Breuninger Land, solange der Kaufrausch noch anhält. Ich wusste die Midlife Crisis macht den Männern zu schaffen, dass sie aber vom Geldbeutel Besitz ergreift, habe ich noch nicht gehört.

Auf dem Weg zum Mac Book Pro, komme ich an etlichen Schuhgeschäften vorbei. Irgendwie zieht es mich in den Görtz. Ich schlendere auch hier etwas lustlos durch die Reihen der Business-Treter. Ich nehme Schuhe für 320,- € in die Hand. Ich denke mir: “Was für unbequeme Schuhe, wer zahlt so viel Geld für diese Schlappen?”. Ich fühle mich beobachtet und stelle die Schuhe wieder an den Platz zurück. Sicher denkt die Verkäuferin, die sich in großem Sicherheitsabstand, links von mir um die Regale windet: “Den schnappe ich mir, der rettet meinen Tagesumsatz.”. Weit gefehlt, ich hätte nicht fälscher liegen können (Freundliche Grüße an Hr. Sick). Rechts von mir ertönt, ganz unerwartet die Frage: “Wo haben sie die denn her?”. Eine nette Brünette schaut völlig entzückt auf meine Tarnfarben-Sprint. “Kann ich die mal von unten sehen?” schließt sich nach kurzer Bewunderung die nächste Frage an. Natürlich kann sie. Ich vergesse die völlig überteuerten Treter im Regal und präsentiere voller Stolz meine fünf zehige bzw. zehn zehige  Erwerbung. Dabei fällt mir eine weitere Käuferin auf, die Ihren etwas ratlos fuchtelnden Mann stehen lässt um genauer zu sehen, was hier Besonderes bestaunt wird. Auch die Verkäuferin gesellt sich nun dazu und bewundert die Tarnschuhe. Irgendwie nett, ich stehe hier in einem Schuhladen, gleich fängt das Fußballspiel an und ich bin von netten Damen umgeben die sich mit mir etwas belustigt aber angeregt über mein Schuwerk unterhalten. Das hat etwas. Ihre Männer fuchteln alleine gelassen hinter Regalen und versuchen auf sich aufmerksam zu machen, oder sitzen in der WM Ecke vor der Leinwand und warten geduldig, bis Günter Netzer sein Vorspiel einstellt und das Ledertreten beginnt.

So mutiere etwas unverhofft zu einem Schuhverkäufer ohne Ware und das in einem Schuhgeschäft, dass die Schuhe, die ich anpreise nicht einmal führt. So setze ich nach einer ausführlichen Beschreibung der genialen Laufeigenschaften meinen Einkaufsbummel im Görtz fort. Ich ko mme an einem Tisch vorbei, bei dem jeder Mann sofort an die wundervolle Sarah Jessica Parker denken muss (wenn Mann zuvor in der Wikipedia nachgelesen hat). Bei diesem Namen wiederum muss ich an die Facebook Gruppe “Echte Männer stehen auf Kurven. Nur Hunde spielen mit Knochen!” denken. Prominent prangert das Logo von “Sex and the City” über den ausgestellten Exponaten. Im ersten Moment denke ich, es könne sich hierbei sicher nicht um Schuhe handeln, im zweiten Moment denke ich,  es handelt sich nicht um Schuhe, die man zum Stehen, Gehen oder gar Laufen anzieht. Die Schuhe die hier stehen, sofern man sie als solche bezeichnen kann, sind das krasse Gegenteil des leichten, flachen, ultrabiegsamen Schuhwerks an meinen Füßen. Hoch, unbequem und starr. Ich nehme an, diese Schuhe wurden von Männern erfunden. Deren einziger Nutzen besteht wohl darin, die Trägerin in Ihrer Fortbewegungsgeschwindigkeit so weit einzuschränken, dass sie dem Mann nicht mehr weglaufen kann.

Kopfschüttelnd verlasse ich den Görtz, nur um gleich nebenan in den Salamander zu stolpern. Auch hier habe ich nicht einmal die Regale Größe 45 erreicht, da sehe ich schon zwei Kundinen um die Ecke linsen. Erst höre ich ein gickeln, sehe ein zartes Lächeln, dann eine vorsichtige, Raubkatzen gleiche Annäherung. Ich fühle mich wie eine Schwarzfersenantilope in der Savanne. Und ich werde wieder mit ähnliche Fragen konfrontiert: “Die sind doch bestimmt richtig bequem oder?”. Natürlich beantworte ich auch im Geschäft mit der langgestreckten, geschwänzten Amphibie geduldig jede Frage zu den Schuhen und verweise auf die Website von Vibram. Es geht mir duch den Kopf: “Ich sollte ein Geschäft aufmachen und mit Visitenkarten in der Hand durch die Schuhläden Stuttgarts ziehen”. Weiterhin in der Schwanzlurchfactory schaue ich mir etwas widerwillig businesstaugliche Fußverpackungen aus eher starrem Leder an. Was finden die männlichen Träger nur an diesen Schuhen. Die sind schwer, unflexibel und wenn man wirklich ehrlich ist, sehen sie … doch ganz nett aus. Ich drehe sie um, erkenne für mich zu viele Ziffern vor dem Komma und stelle sie wieder zurück. Also weiter. Mein eigentliches Ziel habe ich, ob der vielen Damen schon fast aus den Augen verloren. Ich möchte noch dieses Mac Dings anschauen.

Weiter geht es und – was soll ich sagen – der Breuninger besteht scheinbar nur aus Schuh verkaufenden Einzelhändlern, nur gelegentlich von Uhren und Schmuck-Auslagen aufgelockert. Ich versuche mich dem zu entziehen und verstecke mich in der Outdoor Abteilung . Oh das ist mal ne nette Hose und ohne Hemd geht die keines Falls. Anprobe. 2 Minuten später an der Kasse. “Oh die sind ja mal Klasse, wo haben sie die denn her?” Also sind wir wieder beim Thema. Freundlich beschreibe ich auch an dieser Kasse alle gewünschten Einzelheiten und stelle fest, ich habe meine Karte vergessen. Das ist wohl der Wink. “Genug gekauft, es reicht, ab nach Hause.” Aber die nette Damen an der Kasse begleitet mich an die Info, an der mir ein Tagesausweis ausgestellt werden soll. Es folgt eine kurze Wartezeit, während der ich ungeduldig hin und her laufe. Auf einer Bank sitz eine Dame, deren Augen sich in meinen Schuhen verfangen haben. Still ohne Worte folgt sie den Bewegungen meiner Füße wie ein Tennisfan dem Ball in Wimbledon. Erst nachdem der Ausweis ausgestellt ist und ich zufrieden zur Kasse zurückgehe, kommt die obligatorische Frage. “Kann man die hier kaufen?”. Also nochmal die Geschichte. Und auch wenn so viel weibliche Aufmerksamkeit meinem Ego schmeichelt, ich werde das Gefühl nicht los, es geht hier nur um meine Fußsohlen-Schoner.

Na und. Onasis wurde nur seines Geldes wegen bewundert. Jeder so wie er kann. Und wenn bei den Temperaturen das Axe seinen Dienst quittiert, dann eben mit Zehenschuhen.

Also weiter zum Obstladen. Ein Apple wartet auf mich.

Ja du glaubst es nicht. Der Werdich. Und da gibt es ja auch Schuhe. Nur einen kurzen Blick. Vielleicht gibt es hier die KSO. Und haste nicht gesehen, stehen 4 Damen um mich rum uund kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ja super bequem, extrem leicht, einfach wie barfuß, und dennoch nicht schmerzhaft, wenn man über Steinchen läuft.” Diesmal bin ich weiterhin freundlich, aber doch etwas kürzer angebunden. Jetzt wird es mir unheimlich. Diesen Effekt hatte ich nicht einmal mit rot gefärbten Haaren.

Damals, es war auch in einem Schuhgeschäft, hatte ich rote Schuhe passend zu den Haaren gesucht. Und dort in der Herren-Abteilung kommt auf einmal eine Dame auf mich zu und bewundert meine Haare. Ich war so verdutzt, dass ich ein paar Sekunden brauchte um auch hier einen fuchteldnden Mann etwas weiter hinten im Laden zu erspähen. Als dieser sich mit ernster Miene auf die Anhimmelde und mich zubewegte, beschloss ich, dass meine bisherigen Schuhe auch gut zu den Haaren passten.

Ich winde mich Schlangen gleich, auch wenn das wohl bei meiner Körperform eher lächerlich klingen mag. Wenn die Schlange zuvor einen gut genährten Stall-Hasen verspeist hat, könnte der Vergleich dennoch passen. Wie auch immer, ich winde mich aus der Umzingelung der Verkäuferinnen und verabschiede mich. Dennoch komme ich auch hier nicht umhin, die Sohle, den Stoff und die Form einer genauen Analyse der leuchtenden Augen unterwerfen zu lassen. Auch die Frage nach Schuhen dieser Art für Frauen beantwortet ich mit einen Hinweis auf die Vibram Website.

Zuhause angekommen setze ich mich zufrieden auf die Liege und begutachte meine Jagdtrophäen von einer in vielerlei Hinsicht  erfolgreichen  Einkaufstour. Am schönsten sind und bleiben aber die Vibram Five Fingers Sprint M45 in taupe/putty/clay, auch wenn die Füße eingetlich ausehen wie die Extremitäten eines Geckos.

Achso und fast hätte ich es vergessen. Boah war das cool, das Deutschland 4:0 gewonnen hat, oder? Auch wenn ich außer akustischen Signalen kaum etwas davon mitbekommen habe.

Und für Euch nun nach der Qual des Lesens, wenn Ihr es denn bis hierhin ausgehalten habt, und in der Ungewissheit, ob ich es jemals zu meinem Apfel geschafft habe, zeige ich Euch jetzt die ultimativen anti “Business Schnürer”.

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